• Sie sind hier:
  • Startseite > 
  • Über uns > 
  • Projekte > 
  • Instandsetzung Jubiläumssäule und Restaurierung Brunnen Schlossplatz Stuttgart

Suchfunktion

Instandsetzung Jubiläumssäule und Restaurierung Brunnen Schlossplatz Stuttgart

Bild: Concordia

Bild: Restauratoren in der Sockelschale der Concordia

Bild: Reliefs vor und nach der Reinigung

Bild: Brunnen
Bild: Die Figuren als Symbole für die Flüße Baden-Württembergs

Fotos: 
Heinz R. Schmitt, Stuttgart

  

Beschreibung

Die Jubiläumssäule wurde 1841 zum 25-jährigen Regierungsjubiläum und zum 60. Geburtstag von König Wilhelm I. (1781-1864) auf dem Stuttgarter Schlossplatz zunächst in Holz vom Hofbaumeister Johann Michael Knapp errichtet.

Die Grundsteinlegung für die steinerne Säule aus Schwarzwälder Granit war 1842. Knapp, auf den auch der Entwurf für diese Säule zurückgeht, ließ sie mit Bronzereliefs und -figuren schmücken.

Am 26. September 1846 fand die Einweihung der Jubiläumssäule statt, allerdings noch ohne den krönenden Abschluss. Nach längeren kontroversen Debatten und mehreren Umplanungen fiel die Entscheidung erst im Jahr 1863 zugunsten der römischen Göttin Concordia aus. Der König wollte die Concordia als Symbol der Eintracht, da er das Land vereinigt zu sehen wünschte. Ein Attribut der römischen Siegesgöttin Viktoria, von der ursprünglich immer die Rede war, findet dennoch ihren Platz auf der Säule im Siegeskranz, den Concordia in ihrer rechten Hand präsentiert. Die Bronzeskulptur wie sie heute zu sehen ist, wurde von Hofbildhauer Johann Ludwig von Hofer gestaltet. 1863 wurde die von vier Löwen getragene fünf Meter hohe Concordia auf die Säule gestellt. Dort wachte die Göttin bis zu Beginn der Instandsetzungsarbeiten 2014 über die Eintracht in Stuttgart.

Untersuchung

Die Vermögens- und Hochbauverwaltung Baden-Württemberg beauftragte in Zusammenarbeit mit den Denkmalbehörden im Jahr 2010 eine Bestands- und Schadenskartierung.

Neben Verschmutzungen auf allen Oberflächen zeigten sich auch mechanische und chemische Schädigungen. Ein erheblicher Schaden ließ sich an den Sockeln der vier Bronzefiguren (Allegorien) beobachten. Nach Abnahme der Figuren war eine nahezu vollständige Zersetzung der historischen Bronzebefestigung aufgrund von Korrosion durch Wassereintritt festzustellen.

Darüber hinaus zeigten sich, vor allem an den weiblichen Allegorien, am Kapitell und an der Concordia, mehrfach Löcher im Bronzeblech, welche auf Einschüsse aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs zurückgehen dürften. Eine erhebliche Unsicherheit stellten jedoch die Concordia sowie das darunterliegende bronzene Kapitell dar. So war nicht bekannt, wie die mächtige Bronzefigur auf der Natursteinsäule befestigt wurde.

Erst mit der kompletten Einrüstung der Säule im Sommer 2013 konnten das Bronzekapitell und die Concordia selbst näher untersuchtwerden. Sondierungsöffnungen zeigten, dass die Befestigungselemente auch hier sehr stark korrodiert waren bis hin zum völligen Querschnittsverlust. Ein Rückbau einschließlich Demontage der Concordia war erforderlich. Der stark gerissene Natursteinkern im Inneren des Kapitells wurde einschließlich der vier Bronzelöwen, die das Postament der Concordia bilden, in Einzelteilen abgenommen.

Instandsetzung Jubiläumssäule

Ein detailliertes Konzept zum Wiederaufbau sah vor, dass ein neues Betonfertigteil den maroden Sandstein im Inneren des Kapitells ersetzt und die korrodierten Stahlteile der Tragkonstruktion in Schmiedebronze neu gegossen wurden.

Insgesamt wurden 150 Einzelteile repariert und 700 neue Schrauben als Sonderanfertigung in Bronze eingedreht. Nachdiesen umfangreichen Instandsetzungsarbeiten hat die Concordia auch für weitere Jahrzehnte einen festen Stand hoch über dem Schlossplatz. Die Reliefs von Bildhauer Theodor Wagner am Sockel der Säule zeigen Schlachtszenen der 1814 unter Kronprinz Wilhelmsiegreichen Württemberger. Sie wurden 2016 mit Trockeneisgereinigt und mit Jadeöl behandelt. In Abstimmung mit den Denkmalbehörden wurde festgelegt, dass nur die fehlenden Teile an den bekannten Personen (Köpfe) naturgetreu nachgebildet werden.

Restaurierung Brunnen

Die beiden Brunnen sind am 27. September 1863 anlässlich des Geburtstages von König Wilhelm I. am schönsten Platzer Stadt errichtet worden. Die Brunnen wurden zuletzt im Jahr 1988 umfassend restauriert. Nach fast 30 Jahren in dauerhaftem Betrieb war es notwendig, die beiden Brunnen erneut instand zu setzen sowie die Verschmutzungen und Sinterablagerungen zu entfernen.

Im Herbst 2016 wurde die Kalk-Sinterschicht mit Höchstdruckreinigungsgeräten entfernt. Mit diesem Verfahren konnte der größte Teil der Kalkablagerungen beseitigt werden. Den Rest der festsitzenden Kalkschichten in den Vertiefungen und Profilierungen entfernte anschließend ein Restauratorenteam in Handarbeit, um die weiche Gussoberfläche der denkmalgeschützten Brunnen nicht zu beschädigen. Diese manuellen Arbeiten waren sehr zeitaufwändig und dauerten bis in den Juli2017 an. So konnte ein tragfähiger Untergrund für das mehrschichtige neue Rostschutzsystem geschaffen werden. Bei den Löwenköpfen, die den Kranz des oberen Brunnenbeckens zieren, wurden feine Haarrisse im historischen, kohlenstoffreichen Guss entdeckt. Die Köpfe wurden abgenommen und die Risse im Atelier von einem Spezialisten geschweißt.

Die jeweils vier ebenfalls demontierten Figuren, die die Brunnensäule umsäumen, sind Allegorien für die wichtigsten Flüsse Württembergs. Sie wurden im Atelier neu beschichtet und auf zum Teil neuen Sandstein- beziehungsweise Betonsockeln am Originalstandort wieder aufgesetzt. Die Brunnenbecken aus Sandstein wurden gereinigt und die Fugen überarbeitet.


Projektdaten

Bauherr:
Land Baden-Württemberg, Vermögen und Bau Baden-Württemberg, Amt Stuttgart

Planung und Projektleitung:
Vermögen und Bau Baden-Württemberg, Amt Stuttgart

Denkmalschutz:
Landesamt für Denkmalpflege Regierungspräsidium Stuttgart
Untere Denkmalschutzbehörde Stadtplanungsamt Stuttgart

Tragwerksplanung:
Barthel und Maus, München

Metallrestaurierung:
Ariane Brückel und Robert Schweizer, Stuttgart

Natursteinrestaurierung:
Aedis, Hochdorf

Bronzeteile:
Kunstgiesserei Strassacker, Süssen

Reinigung:
Alfred Kärcher GmbH, Winnenden

Baukosten:
Jubiläumssäule 450.000 Euro
Brunnen 250.000 Euro



Bauzeit:

2010 bis 2013
Kartierung, Voruntersuchungen

Mai 2013
Reinigung, Ersetzen von Flicken

bis Juni 2013
Baustatische Untersuchungen

Juli 2013
Sondierung, Feststellung der massiven Korrosion der inneren Tragkonstruktion,
Beschluss Abbau der Concordia inklusive
Kapitell, Notsicherung
Entwicklung Abbaukonzept

April 2014
Aufbau Raumgerüst

Mai 2014
Abbau Concordia mit Kapitell Erstellung Instandsetzungskonzept Herstellung Betonfertigteil, Gussteile aus Schmiedebronze

Februar 2015
Probeaufbau des Kapitells am Boden

April 2015
Wiederaufbau Kapitell

29.04.2015
Rückkehr Concordia

April 2016
Reinigung der Reliefs und Ergänzungen

Bauzeit Brunnen

Sept. 2016
Reinigung der Oberflächen mit
Höchstdruckreinigungsgeräten

Feb. - Juli 2017
Restaurative Arbeiten und
Oberflächenvergütung der
Brunnenschalen, der Sockel,
der Allegorien und der Verzierungen
im Metallguss, Beton und Naturstein

Juli - Okt. 2017
Restaurierung der Löwenköpfe


Baukosten
Jubiläumssäule 450.000 Euro
Brunnen 250.000 Euro

Fußleiste