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School of Education Universität Tübingen

Bild: Barrierefreier Zugang über drei Etagen durch modernen Aufzugsanbau mit Eingangsvordach aus profiliertem Sichtbeton

Bild: Sichtbeton und strukturierter Putz als Neuinterpretation der Bestandsfassade

Bild: Brandschutzmaßnahmen durch Einbau von Holztrennelementen

Bild: Aufzugsturm mit verglaster Brücke

Fotografien:
Dietmar Strauß, Besigheim

  

Beschreibung

Als einziger Bau des 1972 abgerissenen Gebäudekomplexes des Alten Chemischen Instituts der Universität Tübingen blieb die 1904 im Jugendstil errichtete ehemalige Direktorenvilla bestehen. Das Gebäude sollte von einem Labor- zu einem neuen Institutsgebäude der Universität umgebaut und als geschütztes Kulturdenkmal

denkmalgerecht saniert werden. Mit einem modernen Anbau erweitert wurden die neuen Büro- und Seminarräume dem neuen Nutzer, der Tübingen School of Education, im April 2018 übergeben und feierlich eingeweiht.

Besondere Gestaltungselemente - Aussenraum

Die Umnutzung der Villa als Institutsbau für die School of Education erfordert als öffentliche Einrichtung einen barrierefreien Zugang in die Hauptnutzungsgeschosse. Da es nicht möglich war, eine funktional sinnvolle sowie denkmalgerechte Lösung im Innern des Gebäudes zu entwickeln - aufgrund der Höhenunterschiede zwischen Haupteingang, Entree und Haupttreppe mit Zwischenpodesten -, wurde der Bestandsbau um einen modernen Anbau ergänzt: ein von außen zugänglicher Aufzugsturm mit erweitertem Eingangsvordach und einer verglasten Brücke über drei Etagen.

Diese Brücke erinnert motivisch an die historische Verbindung zwischen dem ehemaligen Direktorenwohnsitz und der Alten Chemie durch eine Gebäudebrücke die sich ursprünglich im ersten Geschoss befand. Der geschlossene verputzte Aufzugsturm schließt mit einer Glasfuge an das Bestandsgebäude an. Gleichzeitig verbindet das weite, mit Sichtbeton konstruierte Vordach das geschlossene Gebäude mit dem öffentlichen Vorplatz. Die enge Profilierung aus Sichtbeton und differenziert strukturierte Putzoberflächen interpretieren die angrenzenden Bauteiloberflächen des Bestands auf moderne Art.

Besondere Gestaltungselemente - Innenraum

Die Direktorenwohnung erstreckte sich über zwei Geschosse, die über eine großzügig geschwungene Holztreppe miteinander verbunden waren. Im Erdge- schoss befand sich eine Dienstwohnung, direkt neben dem repräsentativen Entree. Leider ging ein Großteil der bauzeitlichen Ausstattung der Böden, Türen, Wände und Stuckdecken im Zuge der Einrichtung von Laborräumen für die Nach -nutzung verloren und konnte wegen mangelnder Befunde nicht rekonstruiert werden Dennoch gelang die Umsetzung der denkmalpflegerischen Aufgabe, Entree und Treppenhaus in ihrer bauzeitlichen Ausstattung zu reparieren, bzw. die räumlichen Zusammenhänge durch Rückbau späterer Einbauten wiederherzustellen.

Das Innenraumkonzept löst diese Situation folgendermaßen:

Materialität und Farbigkeit der Böden, Flächen und der neuen Holz-Glas-Wände stellen bewusst einen atmosphärischen Bezug zur historischen Wohnnutzung her und bilden einen Übergang zu den Jugendstilelementen von Treppenhaus und Entree. Das historische Eingangstreppenhaus ist nach Befund mit einem sandsteinfarbenen Strichputz behandelt. Die Massivität der sandsteinfarbenen Sockelzone des Eingangsportals zieht sich einer Einstülpung gleich in das Gebäude. Die ehemaligen Wohnräume fungieren nach dem Rückbau der Laboreinichtungen und der Sanierung als Besprechungs-, Büro- und Sozialräume. Historische Bauteiloberflächen sind, sofern noch vorhanden, wieder freigelegt und Fehlstellen neu interpretiert ergänzt. Die erforderlichen Versorgungsinstallationen sind behutsam integriert. Das raumgreifende Dielentreppenhaus ist restauriert und mit Holz-Glas-Wänden zu einem notwendigen Treppenraum baurechtlich uminterpretiert. Die paraventartigen Holztrennelemente (T30RS) mit ihren Randglasfugen erhalten räumlich den Dielenzusammenhang.


Projektdaten 

Bauherr:
Land Baden-Württemberg, vertreten durch den Landesbetrieb
Vermögen und Bau Baden-Württemberg, Amt Tübingen

Architekt:
Architekten + Partner Dannien Roller

Restaurierung:
Dr. Julia Feldtkeller, Kunsthistorikerin Tübingen

Gebäudetechnik:
SRM Fachplaner Mössingen

Statik + Bauphysik:
Schneck Schaal Braun Tübingen

Brandschutz:
Sinfiro Balingen

Gesamtbaukosten
ca. 2 Mio. Euro

Bauzeit
01/2017 bis 04/2018





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