Amt Ulm
Bauherr, Projektleitung, Entwurf: Land Baden-Württemberg vertreten durch Vermögen und Bau Baden-Württemberg, Amt Ulm Nutzer: Technische Hochschule Ulm Ausführungsplanung, Baudurchführung: Spreen Architekten, München
Sterr-Ludwig, Blaustein
| Gesamtbaukosten: | 42,6 Mio. Euro |
| Bauzeit: | 08/2018 – 01/2021 |
| Kunst am Bau: | Kristof Georgen |
Der Ersatzneubau der Technischen Hochschule Ulm entstand anstelle eines Standorts der THU in Ulmer Ortsteil Böfingen, dessen Sanierung sich nicht mehr wirtschaftlich darstellen ließ. Das neue Gebäude auf dem Oberen Eselsberg ist ein Leuchtturmprojekt in Sachen Energieeffizienz und setzt bundesweit neue Maßstäbe im Hochschulbau: Als Effizienzhaus Plus deckt es seinen gesamten Energie- und Wärmebedarf selbst und speist sogar Energieüberschüsse in das Netz ein. Zugleich dient der von Vermögen und Bau Baden-Württemberg errichtete Ersatzneubau seinen Nutzer*innen als Reallabor, denn die im Gebäude untergebrachten Fakultäten für Elektro-, Informations- und Kommunikationstechnik sowie Automatisierungssysteme führen Laborversuche zu allen Themen rund um den effizienten und nachhaltigen Betrieb des Gebäudes durch.
Das Areal rund um den Neubau auf dem Oberen Eselsberg ist durch Universitäts- und Hochschulbauten sowie Forschungs- und Entwicklungszentren großer Unternehmen geprägt. Der kompakte, annähernd quadratische Baukörper schließt östlich an die Kammstruktur des Bestandsgebäudes der Technischen Hochschule an. Zwischen Alt- und Neubau entstand ein neuer Campus-Platz, der wie ein Gelenk an der sich leicht verschwenkenden Erschließungsstraße liegt.
Die Fassade des vierstöckigen Gebäudes ist horizontal gegliedert: Die Platten aus Halbbetonfertigteilen werden in regelmäßigem Abstand durch horizontale Fensterelemente mit Eichenholz-Rahmen unterbrochen. Aufgrund der Hanglage kann das Gebäude sowohl von der Straße her im Erdgeschoss als auch rückwärtig durch das Untergeschoss betreten werden. Die drei Eingänge liegen in den Gebäudeecken und ermöglichen im Gebäude kurze Wege.
Im Grundriss sind die Funktionen klar organisiert: Während sich die Büro- und Seminarbereiche nach außen zur Straße und zum angrenzendem Naturraum orientieren, gruppieren sich die Laborflächen um die beiden zentralen Innenhöfe, dank derer die Belichtung und Belüftung in den Laboren gewährleistet wird. Im Untergeschoss liegt der Werkstattbereich, der aufgrund der Hanglage ebenerdig bedient werden kann.
Die rund 2.000 Quadratmeter große Photovoltaik-Anlage auf dem Dach deckt in Kombination mit der Wasser-Wärmepumpe den gesamten Energie- und Wärmebedarf des Gebäudes. Da das Gebäude aufgrund des Effizienzhaus Plus-Standards mehr Energie produzieren kann, als es selbst benötigt, wurden die Strom-, Fernwärme- und Gasanschlüsse so konzipiert, dass sie sowohl Energie abgeben als auch aufnehmen können. Zur Überwachung der Energieströme kommuniziert das Gebäude mit seinen Nutzer*innen, mit seiner Umgebung und den Leitzentralen der örtlichen Energieversorger. Das innovative Gesamtenergiekonzept bezieht sogar das benachbarte Bestandsgebäude mit ein: Die Energieströme von Neu- und Altbau sind miteinander gekoppelt.
Das Werk „Artefakte“ des Künstlers Kristof Georgen ist ein achtteiliges Gesamtbild, das sich durch das gesamte Gebäude zieht. Die klassischen Intarsien-Arbeiten wurden hierbei in die vorhandenen Eichenfurnier-Paneele zwischen den Fenstern eingearbeitet und bilden Ausschnitte ab, die sich sukzessiv als Ganzes erschließen.