Neubau John Cranko Schule
Stuttgart - Neubau John Cranko Schule
Der Neubau läutet den Beginn einer neuen Ära für die John Cranko Schule und das Stuttgarter Ballett ein. Das spektakuläre Gebäude passt sich städtebaulich und topographisch perfekt in das Hanggrundstück ein und bietet der Ballettschule alles was sie braucht, um Heimat für den künstlerischen Nachwuchs aus aller Welt zu sein. Auf der neuen Probebühne kann sich das Stuttgarter Ballett noch professioneller vorbereiten, um auch in Zukunft weltweit Maßstäbe setzen zu können.
Anlass für den Neubau
Die 1971 von John Cranko, dem damaligen Direktor des Stuttgarter Balletts gegründete Ballettschule startete in den Räumen einer ehemaligen Druckerei. Sie hat sich schnell zu einer der berühmtesten Ballettschulen der Welt entwickelt. Sie brachte unzählige Ballettstars hervor und ist Garant für den internationalen Erfolg des Stuttgarter Balletts. Doch das ehemalige Druckereigebäude wurde den hohen Anforderungen der Schule und des Balletts immer weniger gerecht, obwohl es immer wieder umgebaut und erweitert wurde.
Im Jahr 2011 waren die Weichen für einen Neubau gestellt. Die neue John Cranko Schule sollte in unmittelbarer Nähe zum Opernhaus entstehen, auf einem sehr steilen Hanggrundstück oberhalb der Staatsgalerie in prominenter Halbhöhenlage. Da ein Neubau in dieser Lage das Stadtbild am Stuttgarter Südhang wesentlich prägt, bestand ein besonders hoher architektonischer Anspruch. Folgerichtig lobte das Land Baden-Württemberg einen Planungswettbewerb aus, den das Münchner Architekturbüro Burger Rudacs gewann.
Entwurfsansatz und Städtebau
Die Architekten machten die enorme Hanglage zum Entwurfsansatz: wie eine riesige Treppenanlage staffeln sich vier Segmente den Hang hinauf und docken oben an den viergeschossigen Internatsbau der John Cranko Schule an. Durch die Staffelung verteilen die Architekten die Baumasse so geschickt über das Grundstück, dass die Baukörper am oberen und unteren Ende des Grundstücks nicht zu wuchtig wirken und sich gut in die Umgebung einfügen. Wie selbstverständlich entstehen zwei neue Adressen: Oben an der Werastraße die der Ballettschule mit Internat, unten am Urbansplatz die der Probebühne des Stuttgarter Balletts.
Gebäudekonzeption
Die terrassenartige Anlage folgt einer klaren Logik durch die die verschiedenen Funktionsbereiche der John Cranko Schule mit insgesamt 8 Ballettsälen, dem Internat und der Probebühne des Stuttgarter Balletts wie selbstverständlich geordnet werden.
Die Probebühne am Urbansplatz bildet den baulichen Sockel des Projekts. Ihre drei Etagen schieben sich als Blackbox tief in den Hang. Darüber staffeln sich die vier Segmente, die jeweils aus einem großen und einem kleinen Ballettsaal bestehen. Linear durch das gesamte Gebäude verläuft eine großzügige Erschließungsachse mit breiten Fluren und Treppen, die alle Ebenen miteinander verbindet. In diesem Bereich kommen Wandbekleidungen aus hellem Holzfurnier zum Einsatz, die das ansonsten dominierende Grau der Stahlbetonkonstruktion ergänzen. Auf der einen Seite der linearen Achse liegen die Ballettsäle und die Unterrichtsräume der Ballettschule, auf der anderen die Büros der Verwaltung. Im gesamten Gebäude sorgen geschickt angeordnete Innenhöfe, Oberlichter und großzügige Fensterflächen für attraktive Ausblicke und viel Tageslicht in den Innenräumen.
Den oberen Abschluss bildet der viergeschossige Baukörper für das Internat der John Cranko Schule. Da die Ballettschülerinnen und -schüler aus der ganzen Welt kommen, stehen ihnen direkt am Ort ihrer Ausbildungsstätte 40 Doppelzimmer, sowie großzügige Gemeinschaftsräume mit herrlichem Blick über Stuttgart zur Verfügung. Auch die Kantine ist in diesem Bereich untergebracht. Mit ihrem attraktiven Außenbereich ist sie der zentrale Treffpunkt für die Schülerinnen und Schüler.
Die am unteren Urbansplatz angesiedelte Probebühne bildet einen Sonderbereich und ist als abgeschlossener Bauteil konzipiert. Dank des zweigeschossigen Foyers, das der Bühne vorgelagert ist, kann der Bereich unabhängig von der John Cranko Schule bespielt werden. Sie dient der Kompanie des Stuttgarter Balletts als täglicher Proberaum und darf von der Ballettschule für öffentliche Aufführungen genutzt werden. Proportion und Größe der Probebühne entsprechen der großen Bühne im Opernhaus. So kann das Stuttgarter Ballett seine Aufführungen unter 1:1-Bedingungen vorbereiten. Dank der Bühnen- und Regietechnik, die modernste Anforderungen erfüllt und der Möglichkeit, vor bis zu 200 Zuschauerinnen und Zuschauer aufzutreten, können auch die Eleven der John Cranko Schule unter professionellen Rahmenbedingungen wichtige Erfahrungen sammeln.
Besonderheiten des Gebäudes
Nachhaltigkeit
Die moderne Gebäudetechnik ermöglicht einen ressourcenschonenden Umgang mit Energieträgern. Der Neubau wird energieeffizient mit Fernwärme beheizt. Im Sommer können die Räume über einen Eisspeicher gekühlt werden. Ergänzt wird das energetische Konzept durch eine optimierte Gebäudehülle und die hocheffiziente Wärmerückgewinnung der Lüftungsanlagen.
Tiefbau
Da zwischen der oberen und der unteren Grundstücksgrenze 21 Meter Höhendifferenz liegen, standen am Anfang der Baumaßnahme umfangreiche Spezialtiefbauarbeiten. Die 15 Meter hohen Wände der Baugrube wurden mit sogenannten Nagelwänden gesichert: durch Erdnägel mit dem Hang verankerte Spritzbetonschalen. Für die Fundamente mussten bis zu 18 Meter tiefe Bohrpfähle in die Erde getrieben werden.
Bauherr
Land Baden-Württemberg, vertreten durch Vermögen und Bau Baden-Württemberg, Amt Stuttgart
Nutzer
John Cranko Schule
Projektleitung
Vermögen und Bau Baden-Württemberg, Amt Stuttgart
Planung
Burger Rudacs Architekten, München
Bauleitung
Wenzel und Wenzel GmbH, Stuttgart
Gesamtbaukosten
60 Mio. Euro
Bauzeit
07/2015–06/2020
Auszeichnung
BDA-Architekturpreis Nike für Atmosphäre 2022