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Universitätsklinikum Tübingen

Tübingen - Neubau Augenklinik

Medizinischer Fortschritt, demografischer Wandel und politische Vorgaben wirken sich auf die Behandlungsmethoden und damit auch auf die Anforderungen an Klinikgebäude aus. Baulicher Anpassungsbedarf ist oft die Folge. So auch bei der Universitätsaugenklinik Tübingen, die in einem historischen Gebäude aus dem Jahr 1909 am Rande der historischen Altstadt untergebracht war und stark steigende Patientenzahlen verzeichnete. Sie bildet zusammen mit dem Forschungsinstitut für Augenheilkunde, das auf neun Standorte im gesamten Stadtgebiet verteilt war, ein Exzellenzzentrum für Augenheilkunde.

Um die Rahmenbedingungen zu verbessern, waren eine Erweiterung und Vereinigung unter einem Dach unerlässlich. Dies war jedoch im angestammten Altbau nicht wirtschaftlich realisierbar. Mit dem Neubau am Oberen Schnarrenberg – mit direkter Verbindung zur Hals-Nasen-Ohren-Klinik und zum Hörforschungsinstitut – verfügt die Tübinger Universitätsklinik nun über ein hochmodernes interdisziplinäres Zentrum für die sensorische Forschung an Auge und Ohr.

Der sechsgeschossige Neubau grenzt unmittelbar an eine unbebaubare Grünfläche und bildet den vorläufigen Abschluss der Bebauung im westlichen Teil des Oberen Schnarrenbergs. Das schwierige Hanggrundstück sowie die Verzahnung mit den angrenzenden Streuobstwiesen stellten bei der Planung eine besondere Herausforderung dar. Die Lösung ist auf elegante Weise gelungen, indem der Sockel der bestehenden Hals-Nasen-Ohren-Klinik fortgeführt wurde. Die dreigeschossige Sockelstruktur öffnet sich kammartig nach Westen und lässt den Landschaftsraum in die fünf unterschiedlich gestalteten Innenhöfe hinein erlebbar werden. Hierdurch erhalten die in den Hang gebauten Geschosse zusätzliche Aufenthaltsflächen im Freien und Tageslicht. Auf der Sockelstruktur liegen zwei ineinander verzahnte quadratische Baukörper auf, die in den Landschaftsraum auskragen. Dort können die Patientinnen und Patienten der Augenklinik eine hervorragende Aussicht genießen, ohne dass die Qualität der bestehenden Hals-Nasen-Ohren-Klinik (HNO) geschmälert wird.

In den unteren beiden Geschossen befindet sich das Forschungsinstitut, welches von Süden her erschlossen wird. Der neue gemeinsame Haupteingang für die Augen- und HNO-Klinik liegt im Norden. Durch die bauliche Verbindung können Pforte, Aufnahme, Werkstätten und Anlieferung gemeinsam genutzt werden. Die oberen drei Geschosse nehmen die Augenklinik mit Ambulanz- und OP-Bereich sowie den Pflegestationen auf. Im Inneren des Gebäudes sorgt ein klares Erschließungssystem mit breiten Fluren, übersichtlichen Wartebereichen und allgegenwärtigem Tageslichtbezug für eine gute Orientierung mit kurzen Wegen. Bei der kontrastreichen Gestaltung der Oberflächen wurde viel Wert auf die Belange von Menschen mit Sehbehinderung gelegt. In den Innenräumen der Patientenbereiche sorgen warme Farbtöne und Flächen in Holzoptik für eine angenehme Atmosphäre, die die Genesung der Patientinnen und Patienten unterstützen soll.

Bei der Gestaltung der Fassade wurde das bestehende Material- und Farbkonzept der Hals-Nasen-Ohren-Klinik aufgenommen und variiert. Im Sockel wurde das vorhandene Sichtmauerwerk mit seiner Lochfensterfassade mit farblich angeglichenen Faserzementtafeln und einer Bandfensterfassade fortgeführt. Bei den über den Sockelgeschossen lagernden Baukörpern erhielt die horizontal gegliederte Fassade der HNO-Klinik durch die Fassade der Augenklinik ein Pendant. Hier dominieren großzügige, raumhohe Fensteröffnungen, die eine vertikale Struktur erzeugen. Die Metallpaneele der geschlossenen Fassadenelemente mit ihren zarten, changierenden Grüntönen bilden einen bewussten Kontrast zu den kräftigen Grün­tönen der HNO-Klinik.

Nicht zuletzt stellte die technische Infra­struk­tur für die neue Augenklinik eine große Herausforderung dar. Die Bedürfnisse der verschiedenen Nutzungen – sechs Ope­rationssäle, zwei Pflegestationen und ein Forschungsinstitut – haben völlig unterschiedli­che Anforderungen an Beheizung und Klimatisierung der Räume. Durch die vielen Lichthöfe kann ein Großteil der Räume natürlich be- und entlüftet werden. Die notwendigen Lüftungsanlagen sind mit einer hocheffizienten Wärmerückgewinnung ausgestattet. So können der Wärmebedarf im Winter und der Kältebedarf im Sommer wesentlich reduziert werden. Gute Voraussetzungen für einen umweltfreundlichen Betrieb schafft zudem ein landeseigenes Heizwerk, das überwiegend mit Holzhackschnitzel befeuert wird.

Bauherr

Land Baden-Württemberg, vertreten durch Vermögen und Bau Baden-Württemberg, Amt Tübingen

Nutzer

Universitätsklinikum Tübingen

Augenklinik und Forschungsinstitut für Augenheilkunde, Tübingen

Planung und Bauleitung

Arcass Planungsgesellschaft mbH, Stuttgart

Gesamtbaukosten

55,6 Mio. Euro

Bauzeit

10/2012 - 09/2016

Dokumentationen

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