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Kunst am Bau – "Transformationen / Maria von Linden"

Künstler:    Christoph Brech
Standort:    Universität Tübingen, Cyber Valley I, Haupthalle

Das Mosaik zeigt den Ausschnitt einer 1902 aufgenommenen Fotografie der ersten Studentin der Universität Tübingen, der Biologin Maria von Linden.

Von Linden war nicht nur Pionierin des Frauenstudiums in Deutschland, ihr wurde 1910 mit der Titularprofessur der Bonner Philosophischen Fakultät als einer der ersten Frauen der Professorentitel verliehen,

Das ausgewählte Porträtbild zeigt die große Erfinderin (sie entdeckte z.B. die antiseptische und entzündungshemmende Wirkung von Kupfer) und scharf beobachtende Biologin (Thema ihrer Dissertation: "Die Entwicklung der Zeichnung und der Skulptur der Gehäuseschnecken des Meeres") nicht als gelehrte adelige Dame oder würdevolle Professorin. Mit verschmitzt-fröhlichem Blick und einer Zigarette im Mundwinkel dreht sie jemandem (dem Fotografen/dem Betrachter?) mit beiden Händen die Nase. Mit dieser, gesellschaftliche Erwartungen unterlaufenden Pose präsentiert sich die Forscherin selbstironisch und unkonventionell als "homo ludens", als spielender Mensch, der im Spiel, in der Fantasie den Aufbruch zu neuen Ufern wagt. Nicht zufällig ist die Spieltheorie für Künstliche Intelligenz und Informatik von zunehmender Bedeutung. So bietet dieses Porträtfoto geradezu ein Leitbild für gesellschaftliche Offenheit und wissenschaftliche Innovation.

Text: Christoph Brech