Zum Inhalt springen

Universitätsklinikum Heidelberg, Neubau Chirurgische Klinik

Das traditionsreiche Universitätsklinikum Heidelberg gehört zu den größten und renommiertesten Medizinzentren in Deutschland und nimmt in Europa einen Spitzenplatz ein. Um diese Stellung auch in Zukunft halten zu können, wurde bereits 1976 ein wichtiger Grundstein für die Entwicklung des Klinikums gelegt. Im Zuge eines Wettbewerbs entstand die Idee eines städtebaulichen Konzepts auf dem Neuenheimer Feld: der sogenannte Heidelberger Klinikring. In den letzten Jahrzehnten wurden in mehreren Baustufen nahezu alle medizinischen Fachrichtungen zusammengeführt. Mit dem Neubau für die Chirurgische Klinik rückt der Ringschluss nun in greifbare Nähe.

Anlass für den Neubau

Vor dem Umzug war die Chirurgische Klinik außerhalb des Klinikrings in einem Gebäude aus den Dreißigerjahren des letzten Jahrhunderts untergebracht. Der Altbau konnte den Anforderungen an eine moderne Chirurgische Klinik nicht mehr gerecht werden - weder baulich noch medizintechnisch.

Mit dem Neubau wurde ein modernes Zentrum der Maximalversorgung geschaffen, das Höchstleistungsmedizin auf universitärem Niveau ermöglicht. Auf einer Fläche von rund sieben Fußballfeldern arbeiten in der Chirurgischen Klinik Forschung, Lehre und Krankenversorgung Hand in Hand. Über 300 chirurgische Betten, 16 digitalisierte OP-Säle, 6.000 medizinische Einzelgeräte, die interdisziplinäre Notfallambulanz und ein sechs Kilometer langes unterirdisches Gangsystem zwischen den verschiedenen Kliniken sorgen dafür, dass die Patientinnen und Patienten unter optimalen Bedingungen betreut werden können. Zudem profitieren sie von der hochmodernen technischen Ausstattung und kommen auf direktem Wege in den Genuss von wissenschaftlichen Forschungsergebnissen und neuen Behandlungsmethoden.

Außenaufnahme Neubau Chirurgie Heidelberg

Entwurfsansatz und Gebäudekonzeption

Das bauliche Gesamtkonzept des Neubaus weist eine kammförmige Struktur auf, die die funktionalen Ordnungsprinzipien des Klinikrings weiterführt. Die Gebäudehöhen orientieren sich an den benachbarten Bestandsgebäuden. Die Bettentrakte sind, wie bei den anderen Kliniken, zum Innenbereich hin ausgerichtet. Sie docken an eine „Patientenstraße“ an, ein Element, das sich in den anderen Kliniken ebenfalls bewährt hat. Richtung Straße verläuft ein viergeschossiger Gebäudewinkel parallel zur Patientenstraße und gibt dem Vorplatz Richtung Haupteingang – vom Hubschrauberlandeplatz gekrönt – städtebaulich Halt. Davor erstreckt sich ein zweigeschossiger, von Tiefhöfen unterbrochener Sockelbereich, der die Untersuchungs- und Behandlungsbereiche aufnimmt. Hier befindet sich die zentrale OP-Abteilung.

Die Funktionseinheiten in den einzelnen Gebäudeteilen folgen einem modularen Prinzip. Die Pflegebereiche sowie die Untersuchungs- und Behandlungsbereiche weisen einheitliche Gebäudetiefen auf. Aufzüge, Treppenhäuser und Versorgungsschächte sind systematisch angeordnet. Dadurch wird im Hinblick auf langfristige medizinische Entwicklungen ein hohes Maß an Flexibilität sichergestellt.

Flur Neubau Chirurgie Heidelberg

Äußeres Erscheinungsbild und Nachhaltigkeit

Von außen spiegeln sich die unterschiedlichen Funktionen der Baukörper in der Fassadengestaltung wieder. Der Sockelbereich mit seiner sachlich nüchternen Betonfertigteil-Fassade steht in einem spannenden Kontrast zum interessanten Farb- und Lichtspiel der oberen Geschosse, die mit Aluminium-Steckpaneelen verkleidet sind.

Die gesamte Gebäudehülle ist als hochwärmegedämmte, dichte Konstruktion mit 3-fach Sonnenschutzverglasungen und außenliegendem Sonnenschutz ausgeführt. Die Vorgaben der Energieeinspar-Verordnung 2009 werden damit deutlich unterschritten. Alle Dachflächen sind intensiv oder extensiv begrünt. Die Maßnahmen zur Nachhaltigkeit werden durch die Betonkernaktivierung in den Pflegebereichen und die hocheffiziente Wärmerückgewinnung bei den Lüftungsanlagen arrondiert.

Außenaufnahme Neubau Chirurgie Heidelberg

Kunst am Bau

Die „Lebenslinien“ des Künstlers Simon Pfeffel erstrecken sich über rund 30 Meter entlang der Patientenstraße. Auf dem subtilen Relief des etwa 20 bis 30 Zentimeter breiten Bronzebands sind die Spuren des Künstlers festgehalten, der mit seinen Fingern und Handflächen über die Wandoberfläche strich. Das „Monument eines Augenblicks“ ermöglicht sinnliche Erfahrungen im von Technik und Sterilität geprägten Ambiente der Chirurgischen Klinik.

Kunst am Bau "Lebenslinien“ - Künstlers Simon Pfeffel

Bauherr und Projektleitung

Land Baden-Württemberg, vertreten durch Vermögen und Bau Baden-Württemberg, Amt Mannheim und Heidelberg

Nutzer

Universitätsklinikum Heidelberg

Planung

Tiemann-Petri Koch
Planungsgesellschaft mbH

Gesamtbaukosten

217,7 Mio. Euro

Bauzeit

07/2014 – 02/2020