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Villingen-Schwenningen - Neues Hörsaal- und Bürogebäude für die Hochschule für Polizei

Die Polizei Baden-Württemberg erlebte zwischen 2017 und 2020 die größte Einstellungsoffensive ihrer Geschichte. Hintergrund waren die Pensionierungswelle bei der Polizei und die wachsenden Herausforderungen im Bereich der inneren Sicherheit. Innerhalb einer Legislaturperiode wurden rund 9.000 junge Menschen eingestellt, für deren Ausbildung die Hochschule für Polizei zuständig ist. Dies führte dazu, dass in Villingen-Schwenningen, am Hauptstandort der Hochschule, doppelt so viele Studierende gleichzeitig auf dem Campus ausgebildet werden mussten.

Die baulichen Voraussetzungen hierfür mussten innerhalb kürzester Zeit geschaffen werden. Dies erfolgte zum einen im Bestand, indem die zentralen Gebäude wie Mensa und Raumschießanlage sowie die Parkplätze erweitert wurden. Parallel dazu musste der Bestand durch einen Neubau arrondiert werden, da die vorhandenen Hörsäle, Büro- und Seminarräume nicht ausreichten. Auch dieser musste so schnell wie möglich geplant und errichtet werden. Ein typischer Fall für eine Modulbauweise. In nur eineinhalb Jahren entstand ein dreigeschossiger Neubau aus 120 vorgefertigten Holzmodulen, die vor Ort aufeinandergestapelt wurden.

Neues Hörsaal- und Bürogebäude für die Hochschule für Polizei - Blick aus Schulungsraum in Innenhof

Der rechteckige Baukörper besteht aus Büro-, Hörsaal- und Raummodulen, die sich um einen Innenhof gruppieren. Die Anordnung der Module folgt einem klaren Prinzip: Die Hörsäle reihen sich im Norden aneinander, die Büros im Süden, der Erschließungskern, die Besprechungsräume sowie die erforderlichen Funktions- und Nebenräume schließen das Rechteck im Westen und Osten.

Der Zugang erfolgt über eine Brücke auf der mittleren Ebene, da das Gebäude an einem Geländeversatz steht. Die mit senkrechten Holzlamellen verkleidete Fassade mit den in Gruppen angeordneten quadratischen raumhohen Fenstern verleiht dem Neubau einen zurückhaltenden und zugleich noblen Charakter. Durch die graue Lasur der Holzlamellen fügt sich das Gebäude ganz selbstverständlich in den Gebäudebestand aus den 1980er-Jahren ein. Die Innenräume sind von den sichtbaren Konstruktionselementen aus Holz geprägt, die in Kombination mit den weißen Wand- und Deckenflächen sowie dem schwarzen Linoleumboden eine angenehme Lernatmosphäre erzeugen.

Die hochgedämmte Gebäudehülle, die Passivhausqualität erfüllt, und die Photovoltaikelemente auf der Dachfläche setzen den nachhaltigen Ansatz der Holzkonstruktion konsequent fort: ein ökologisches und energetisches Vorzeigeobjekt, das den angehenden Polizistinnen und Polizisten optimale Rahmenbedingungen für die Vorbereitung auf den anspruchsvollen Polizeialltag bietet.

Bauherr

Land Baden-Württemberg, vertreten durch Vermögen und Bau Baden-Württemberg, Amt Konstanz

Nutzer

Hochschule für Polizei Baden-Württemberg

Projektleitung

Vermögen und Bau Baden-Württemberg, Amt Konstanz

Planung

Michel+Wolf Architekten, Stuttgart

Gesamtbaukosten

18,25 Mio. Euro

Bauzeit

04/2019–09/2020

Auszeichnung

Beispielhaftes Bauen (Architektenkammer Baden-Württemberg)